verspielte
freiheit
Fußball im geteilten Deutschland
Der Fußball begeistert Fans und Spieler:innen auf der ganzen Welt. Diese verbindende Kraft nehmen wir zum Anlass, zwischen 2026 und 2029 ein mehrjähriges Fußball- und Kulturprogramm zu realisieren. Greifen internationale Fußballereignisse ebenso auf wie historische Wegmarken, um gemeinsam mit Fans, Spieler:innen und einem breiten Publikum über das Thema Fußball im geteilten Deutschland ins Gespräch zu kommen.
Dieser steht exemplarisch für die verspielte Freiheit: Auf der einen Seite der Aufbruch in eine neue Ära der Demokratie, in der auch der Fußball einen neuen „freien Spieltrieb“ (Schiller) als Lebensgefühl für eine ganze Generation verkörpert. Auf der anderen Seite die autoritäre Stasi-Diktatur als sozial-erzieherische Ideologisierung aller Lebensbereiche, für die der Fußball zu einer Methode und Technik der politischen Propaganda und Massenmobilisierung im geteilten Europa werden sollte. Der Bau der Mauer steht hier für den Inbegriff von Unfreiheit - die über den Fußball jedoch teilweise in einem Doppelpass zwischen Ost und West ausgespielt werden konnte.
Ein besonders eingängiges Beispiel hierfür ist der Frauenfußball in Ost und West. Die frühen Kämpfe um Anerkennung erzählen von einem bemerkenswerten Freiheitsdrang, der sich staatlichen Verboten entzog und gesellschaftliche Vorurteile ignorierte. In der DDR blieb Frauenfußball lange Zeit als „nicht förderungswürdig“ an den Rand gedrängt, in der Bundesrepublik war er bis in die 1970er Jahre sogar offiziell verboten. Dennoch fanden Spielerinnen Wege, ihre Leidenschaft auszuleben, organisierten heimliche Turniere, gründeten Vereine oder schlossen sich inoffiziellen Mannschaften an. Indem sie sich den Zwängen widersetzten, spielten sie sich buchstäblich frei – und schufen sich eigene Räume der Selbstbestimmung. Der Frauenfußball wurde so zu einem Sinnbild für die verspielte Freiheit im geteilten Deutschland.
Ein anderes, prominentes Beispiel ist die Geschichte von Helmut Schön, der die DDR verließ, nachdem seine Sportgemeinschaft Dresden-Friedrichstadt 1950 aufgelöst und ihre Funktionäre inhaftiert worden waren. Sein Lebensweg steht nicht nur für den Bruch mit einem diktatorischen System, sondern auch für die Neuausrichtung des Fußballs zu einem Ort verspielter Freiheit: weg von politischer Vereinnahmung und autoritärem Gehorsam, hin zu Kreativität, Fairness und selbstbestimmtem Spiel.
Eine solche Perspektive auf die Geschichte des Fußball im geteilten Deutschland ist bislang unterrepräsentiert. Doch gerade sie macht sichtbar, wie sehr der Fußball zu einem Resonanzraum unterschiedlicher Freiheitserfahrungen im Spannungsfeld von Demokratie und Diktatur wurde. Fußball ist dabei mehr als Sport: Er ist, in den Worten von Helmut Schön, “ein spielerisches Modell unserer gesellschaftlichen Verhältnisse: So einfach, dass jeder es verstehen kann, so variationsreich, dass - wie im Leben - immer neue Konstellationen entstehen können”. Im Fußball kann Freiheit erspielt oder verspielt werden – manchmal verloren, oft erkämpft, aber letztlich immer wieder neu gefunden - auf und neben dem Spielfeld.
Unser Fußball & Kultur-Programm 2026 - 2029 erinnert an diesen wichtigen Teil der europäischen Geschichte zwischen Ost und West und stellt die Bedeutung der Errungenschaften des Fußballs für die Demokratie- und Freiheitsbewegung in Deutschland heraus. Wir beleuchten die Geschichte der verspielten Freiheit anhand des Fußballs im geteilten Deutschland, um zentrale Fragen unserer gemeinsamen Gegenwart zu stellen: Was bedeutet die Freiheit des Spiels in autoritären Gesellschaften? Wie wurde der Fußball zum Ort demokratischer Erfahrung und widerständiger Praxis? Welche Rolle spielen offene Räume und freie Sportinfrastrukturen für eine lebendige Demokratie? Und nicht zuletzt, kann das (Fußball)Spiel heute helfen, gefährdete Freiheiten zu verteidigen?
Archiv der Verspielten Freiheit
Die Verspielte Freiheit arbeitet seit mehreren Jahren mit wechselnden thematischen Schwerpunkten. Eine Übersicht über vergangene Themenjahre, Programme und Projekte findet sich im Archiv der Verspielten Freiheit.